Winter ade

| Keine Kommentare

Endlich ist er überstanden, der kälteste und trockenste Winter seit 1998. Obwohl, hier im Nordosten der Insel war es auch sehr feucht. Nur richtig geregnet hat es wenig. Die Wolken hingen fest, es nieselte, kein einziger Barranco hat Wasser geführt – doch kalt war es. Wochenlang 9 Grad am frühen Morgen, das ist selbst für Barlovento nicht normal. Zum ersten Mal begann ich meine Freundin, die an der Südwestküste wohnt, zu beneiden. Dort war es nie unter 18 Grad …
Auf der Suche nach einem Winterquartier hat sich bei uns im letzten Herbst trotz Mückenschutzgitter ein Baby-Gecko eingeschlichen. Die erste Zeit saß er immer hinter der Gardine am Fenster. Mit dem Sinken der Temperatur hat er sich aber ganz pfiffig einen neuen Lieblingsplatz gesucht. Jeden Abend, wenn er glaubte, ich hätte Feierabend, kletterte er auf den Router auf meinem Schreibtisch. Dort hat er dann sein kleines Bäuchlein ganz fest auf den warmen Deckel gepresst und sah erleuchtet von den grün blinkenden Lichtern richtig glücklich aus.
Ich, als Tierfreundin, war natürlich besorgt, dass der arme Kerl verhungert. Bei der Kälte gab es ja nicht mal Fliegen. Da habe ich angefangen, ihm ein Betthupferl – für ihn wohl eher das Frühstück – zwischen Tischlampe, Router und Telefon zu servieren. Schon mundgerecht zerteilt gab es Avokado, Guaven, Cherimoyas – der Hit war Papaya.
Und dann ganz plötzlich, über Nacht, ist der Frühling gekommen. Etwas verspätet, zum Beginn der Sommerzeit, sprangen mich beim morgendlichen Öffnen der Haustür die 20 Grad förmlich an.
Auf mein Bürofenster strahlt nun die Spätnachmittagssonne mit 30 Grad. Mein „Bichi“ (sprich Bitschi) hat sich inzwischen gehäutet und ist ein ganzes Stück gewachsen. Gestern Abend, als ich nach Sonnenuntergang das Schnapprollo hochzog, kam es mir merkwürdig schief vor. Binnen zwei Sekunden schoss mir „Bichi“ durch den Kopf. Als ich vorsichtig nachschaute, hörte ich ein ärgerliches Grummeln. Vorsichtig rollte ich das Rollo wieder herunter und mit ihm den Gecko wieder aus.
Mir scheint, es naht der Moment des Abschiednehmens. Wenn nun auch die Nächte mild bleiben, werde ich meinem vierbeinigen Kumpel in die Freiheit verhelfen. Schließlich soll er oder sie einen Partner finden und schmatzend viele dicke Motten verzehren.
Ines Dietrich

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


%d Bloggern gefällt das: