Wie man Weihnachten auch verbringen kann

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Der Plan war: endlich mal wieder Zeit mit der Freundin. Innigkeit. Ein paar Tage frei.
Doch wenn man es zuvor in großem Stil vergeigt hat, kann es sein, dass einem das just vor Weihnachten um die Ohren fliegt. Und dann wird es anders.
Man flüchtet zu Freunden, die einen mit Taschentüchern, offenen Ohren und Umarmungen versorgen, ab und zu versuchen, Essen in einen reinzukriegen und sich die immer gleichen Schleifen anhören.
Die versuchen, einen davon abzuhalten, sich innerlich ständig um die andere zu sorgen und am Rad zu drehen. Erfolglos, aus verschiedenen Gründen. Einer davon ist der, dass man es bei sich selbst nicht aushalten kann.
Man trinkt zu viel, um wenigstens einschlafen zu können. Das hilft für drei Stunden.
Am Heiligen Abend geht man mit zu einem Kinderweihnachten und verschwindet immer wieder im Flur, um mit dem Heulen die anderen nicht in ihrem Glück zu stören.
Man trinkt zu viel, um wenigstens einschlafen zu können. Wacht aber nach einer Stunde schon wieder auf. Immer, wenn man trotz Schmerzen im Herz, im Solarplexus und jedem einzelnen Muskel nahe daran ist, wieder einzuschlafen, sticht ein noch größerer Schmerz ins Herz. So bleibt es bis zum Morgen, wo man aufsteht und versucht zu arbeiten. Man stellt am Tag darauf fest, dass man nicht mal ganze Sätze geschrieben hat.
Jede einzelne Minute ist eine Herausforderung. Aber keine, die man angehen möchte. Trotzdem schaufelt die Zeit unerbittlich eine auf die andere. Man wundert sich, dass das Herz das aushält.
Man wird in der S-Bahn von einem Schnorrer gefragt, ob alles in Ordnung sei.
Man erfährt Dinge über sich, die man lange vermieden hat, wissen zu wollen.
Man ist verloren im Weltall.
Man trinkt zu viel, um wenigstens einschlafen zu können. Das gelingt für zwei Stunden.
Man kann nicht mal „ich“ schreiben, weil einem das Ich verloren gegangen ist.
Kali Drische

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