Wie ich lese

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Ich lese auf drei verschiedene Arten. Zwei davon sind sehr ähnlich, die dritte würden manche vielleicht gar nicht als Lesen bezeichnen.
Morgens lese ich auf zwei Arten, ich lese Papierbücher und E-Books. Dafür stehe ich extra früher auf, so gegen sechs, halb sieben, obwohl ich erst um halb neun aus dem Haus gehe.
Im Bad brauche ich meistens nicht länger als fünf Minuten. So viel Zeit brauche ich schätzungsweise auch, um mir mein Müsli zuzubereiten und Kaffee zu kochen. Eine Viertelstunde ungefähr brauchen meine Vorbereitungen, bevor ich losmuss: Anziehen, Sachen zusammensuchen, manchmal Müll bereitstellen, im Sommer Tomaten gießen …
Der Rest ist Lesen.
Ich lese im Bett und frühstücke dabei.
Vor fünf Jahren habe ich mir meinen ersten E-Book-Reader gekauft.
Ich gebe zu, ich kaufe sehr oft E-Books für ein bis zwei Euro, überwiegend von Autorinnen und Autoren, die ich noch nicht kenne. Nicht alles hinterlässt bei mir einen bleibenden Eindruck, aber selten lese ich ein Buch nicht zu Ende. Wenn mir eines gut gefällt, kaufe ich meistens noch weitere Bücher der Autorin oder des Autors zum regulären Preis.
Bevor ich den E-Book-Reader hatte, habe ich mir oft stapelweise Second-Hand-Bücher oder Mängelexemplare gekauft. Ich habe gerne viele Bücher um mich, aber schließlich wurden es mir zu viele, und ich dachte mit Grausen an meinen nächsten Umzug.
Klar könnte ich die Bücher lesen und sie dann weggeben, aber das fällt mir schwer, obwohl ich mittlerweile einige aussortiert habe zum Weggeben. Die meisten will ich aber behalten. E-Books kann ich behalten, und sie brauchen trotzdem keinen Platz. Das war für mich ein Grund, mir einen E-Book-Reader zu kaufen. Ein anderer war Neugier. Ich wollte wissen, wie das funktioniert und wie es sich anfühlt, E-Books zu lesen.
Es fühlt sich gut an, ich habe in den letzten fünf Jahren wesentlich mehr E-Books als Papierbücher gelesen. Mittlerweile besitze ich einen zweiten Reader, vor allem weil mir der Anbieter des ersten nicht sehr sympathisch ist. Aber ich lese immer noch viel mit dem ersten. Das liegt daran, dass ich sehr viel Englisch lese und die Auswahl an englischsprachiger Literatur dafür einfach viel größer ist. Und die Bücher sind preiswerter. Das spielt für mich schon manchmal eine Rolle.
Den neuen E-Book-Reader benutze ich für deutschsprachige Literatur.
Eigentlich besteht kein großer Unterschied zwischen dem Lesen eines E-Books und dem eines Papierbuches. Ein Buch ist ein Buch, egal, ob es nun ausgedruckt oder digital vorliegt. Alter Wein in neuen Schläuchen.
Trotzdem kann ich mir noch nicht vorstellen, ganz auf Papierbücher zu verzichten. Ich lasse mir gerne Papierbücher schenken, gelegentlich kaufe ich auch eins. Wenn mir ein Buch besonders wichtig ist, möchte ich es in Papier besitzen. Auch neige ich dazu, für ein Papierbuch mehr Geld auszugeben als für ein E-Book. Vernünftig ist das nicht, denn das Wesentliche an einem Buch ist ja der Text und nicht das Papier.
Ich weiß nicht, ob sich das irgendwann einmal ändern wird. Bei Hörbüchern reicht es mir, sie nur in digitaler Form zu „besitzen“. Mit Musik ist es genauso. CDs vermisse ich nicht. Papierbücher würde ich wohl vermissen.
Also ist da doch noch ein Unterschied?
Ich finde es manchmal umständlicher, im E-Book zurückzublättern, trotz diverser Funktionen zum Navigieren. Das ganze Sinnliche fehlt natürlich auch, der Duft und die Textur des Papiers, ein schönes Cover. Vielleicht ist das ein Grund, warum ich Bücher, die mir wichtig sind, gerne als Papierbuch habe. Beim E-Book gefällt mir, dass ich schnell mal ein Wort nachschlagen kann. Wenn ich eine Weile nur E-Books gelesen habe und dann ein Papierbuch lese, suche ich manchmal reflexartig nach dem Schalter fürs Nachschlagen. Eine gewisse Sinnlichkeit haben für mich auch technische Geräte, und so habe ich auch meine E-Book-Reader gerne in der Hand. Ansonsten fühlt sich das Lesen gleich an. Wenn ich in eine Geschichte vertieft bin, dann ist es völlig egal, welches Medium ich verwende. Toll finde ich, dass ich mir nun nicht mehr vorher überlegen muss, was ich zu lesen mitnehme, wenn ich verreise. Ich kann eine ganze Bibliothek mitnehmen.
Ich habe noch eine dritte Art zu lesen, die funktioniert mit den Ohren statt mit den Augen. Ich habe ein Hörbuch-Abo.
Wenn ich morgens im Bett ein Buch lese, bin ich mit dem Autor oder der Autorin alleine.
Beim Hörbuchhören schieben sich noch eine Person oder mehrere andere Personen dazwischen, Schauspieler, die den Text interpretieren. Viele sind richtig gut darin, den Figuren eigene Stimmen zu geben, und das hat natürlich Einfluss auf meine Vorstellung.
Hörbuch höre ich nicht im Bett, denn ich würde dabei einschlafen. Hörbuch höre ich beim Putzen, beim Kochen, bei Handwerksarbeiten und beim Sport. Beim Sport aber nur, wenn ich in gemächlichem Tempo unterwegs sein will. Hörbuchhören bremst mich. Bei Handwerksarbeiten geht es nur, wenn ich mich nicht zu sehr auf meine Arbeit konzentrieren muss, denn dann kann ich nicht mehr zuhören und muss ständig zurückspulen.
Gekürzte Hörbücher kommen für mich überhaupt nicht in Frage. Früher ging es nicht anders, weil die Hörbücher ja auf CDs passen mussten. Heute ist das nicht mehr notwendig. Ich will nicht, dass jemand für mich entscheidet, was an einem Buch hörenswert ist und was nicht. Ich will überhaupt immer das ganze Buch haben.
Ich mag am liebsten richtig lange Hörbücher. Das längste, das ich jemals gehört habe, ist „1Q84“ von Haruki Murakami und 45 Stunden lang. Hörbücher mit über 20 Stunden höre ich nicht selten. Ich mag es, wenn mich ein Hörbuch eine ganze Weile begleitet, manchmal über Wochen. Manchmal entscheide ich mich gegen eines, weil es zu kurz ist.
Auch beim Hören mache ich gerne Neuentdeckungen. Manchmal kaufe ich Bücher von Autorinnen, die ich gerne gehört habe, oder ich kaufe Hörbücher von Autoren, deren Bücher mir gefallen haben.
Und was lese oder höre ich?
Das wäre eigentlich ein Thema für einen eigenen Blog. Nur so viel: Im Moment lese ich „Set This House in Order“ von Matt Ruff. Ich habe es als Papierbuch gekauft, nicht zuletzt auch, weil mir das Cover gut gefällt. In der Warteschleife sind drei Papierbücher, die ich zum Geburtstag bekommen habe, zwei davon habe ich mir gewünscht, das dritte war eine Überraschung: „Das Buch der verlorenen Dinge“ von John Connolly, „absolute Paul Feyerabend“ und „Der Susan-Effekt“ von Peter Hoeg. Gestern habe ich „House Rules“ von Jodi Picoult zu hören begonnen, nachdem mir zuvor ihr „Bis ans Ende der Geschichte“ gut gefallen hat. Beide sind knapp 20 Stunden lang.
Den Sommer habe ich mit einer alten Bekannten verbracht, auf die ich beim Ausmisten meines Bücherregals gestoßen bin. Ich habe einen Ruth Rendell nach dem anderen gelesen, auch in der Variante Barbara Vine, einige davon schon zum dritten oder vierten Mal. Alle auf Papier.
Lange hatte ich das Gefühl, sie würde nie aufhören zu schreiben, und nun hat sie es doch. Zum Glück habe ich noch nicht alles von ihr gelesen. Und wenn ich mal alle durchhabe, fange ich einfach in ein paar Jahren wieder von vorne an.
Und wer weiß, vielleicht schreibt sie ja doch weiter, irgendwo da oben. Und wenn ich dann nachkomme, erwarten mich ihre Geschichten.
Ein Himmel wäre für mich kein Himmel ohne Lesen. Egal, wie.
Litt Leweir

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