Wie aus meinem Blogbeitrag ein Blockbeitrag wurde

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Da habe ich endlich ein schönes, angemessen relevantes und fröhliches Thema für den konkursbuchblog gefunden, und da grätscht mir das Leben mitten in den lockeren Text.
Gerade schreibe ich noch davon, wie ich auf einer Buchmessenlesung mit anderen Autorinnen vor einem erwartungsvollen Publikum spontan nach erotischen Worten Ausschau halte, und male den Augenblick aus, in dem mir außer „arthrosefreundlicher Anfängerstellung“ keine Worte mit A zu sexuellen Handlungen einfallen wollen, weil mir die linke Hüfte die zwei Stufen auf die Bühne unangemessen übel genommen hat, da zwingt mich die Realität zum Themenwechsel.
Wussten Sie, dass ich mich kürzlich nach 25 Jahren Beziehung zum Heiraten entschlossen habe? Konnten Sie nicht wissen!
Korrekt formuliert habe ich mich ja auch nicht zur Ehe, sondern zur „Gründung einer Lebenspartnerschaft“ entschlossen, was sich rechtlich zwar nur in einem einzigen Punkt von der Ehe unterscheidet, aber die zusätzlichen 29 Buchstaben sicher trotzdem verdient hat.
Dass es sich auch in anderen Dingen unterscheidet, musste ich durch eine durchaus freundliche Standesbeamtin erfahren. „So etwas ist dort leider nicht möglich“, sagte sie ein wenig schuldbewusst. „So etwas“ war mein auf deutschen Gesetzen beruhender Wunsch nach Verpartnerung, „dort“ war der bei Brautpaaren beliebte Rokokosaal eines Kulturzentrums in den Mauern eines ehemaligen Klosters. Auch meine Erklärung, dass ich ja wie die anderen Paare nur die weltliche Zeremonie und nicht den Segen der toten Mönche wolle, half nicht. „Es tut mir leid“, sagte sie. Immerhin.
Und das heißt, dass ich jetzt statt Blogbeiträgen Briefe darüber schreiben muss, wie ich geblockt wurde. Viele Briefe, an die Redaktion der örtlichen Zeitung, an die Parteien und den Bürgermeister und vor allem natürlich an den Verein, der das Kulturzentrum betreibt. Um zu fragen, wer denn nun genau auf den aufwendig gepolsterten Stühlen vor den Standesbeamten Platz nehmen darf. Dürfen dort Paare heiraten, die schon einmal verheiratet waren? Oder solche, die schon ein Kind erwarten? Oder solche, die keine Kinder wollen? Dürfen zwei Muslime oder zwei Menschen jüdischen Glaubens sich dort standesamtlich trauen lassen? Ist das alles dem weihrauchgetränkten Stuck an der Decke zuzumuten? Beim Blick auf die dunklen Bilder an den Wänden, aus denen Mönche streng auf die Festgemeinde schauen, bin ich mir nicht mehr sicher.
„Willkommen im ehemaligen Kloster Kamp“ steht oben auf der Startseite des Kulturzentrums.
„Wir müssen leider draußen bleiben“ steht wohl so klein darunter, dass ich es überlesen habe.
Anne Bax

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