Was sind das eigentlich für Leute

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… die erotische Literatur schreiben und öffentlich vortragen? Diese Frage meine ich auf Lesungen manchmal in Gesichtern zu sehen. Also, zunächst einmal bin ich Autorin. Das heißt, was ich schreibe, gründet natürlich in den Untiefen meiner Persönlichkeit, aber vor allem erfinde ich. Ich erfinde lustig drauflos, denn Schreiben ist eine Möglichkeit, ungeniert zu fantasieren. Das wird vielleicht manchmal vergessen, zumal ich fast ausschließlich den Ich-Erzähler verwende. Anders gesagt: „Wer Krimis schreibt, muss nicht selber morden.“ (Ich weiß nicht mehr, von wem das Zitat stammt.) Insofern bin ich auch völlig schmerzfrei, meine Geschichten öffentlich vorzutragen, denn sie sind keinesfalls „privat“, wie mancher Zuhörer womöglich denkt. Es sind Paradigmen, Jedermannsgeschichten. Ich bin davon überzeugt, dass das, was ich schreibe, zumindest viele betrifft und dass ich nichts Besonderes bin.
Ich liebe Selbstironie. Das ist vielleicht eine norddeutsche Eigenart, um nicht in Selbstmitleid zu verfallen. Norddeutsche haben den schwärzesten Humor, den ich kenne – vielleicht, weil stets die tödliche Nordsee hinterm Deich lauert und Weinerlichkeit keine Deiche baut. Ein prosaisches Volk. Wenn ich leide, tröstet mich meine beste Freundin meist nicht offen, sondern macht so lange fiese Witze über mein Unglück, bis ich mich selbst nicht mehr so ernst nehme und wieder lachen kann. Andere mit feiner Bissigkeit zu entspannen, praktiziere ich auch in meinen Geschichten, denn empfindliche Narzissten, die sich selbst im Mittelpunkt der Welt sehen und ansonsten über Leichen gehen, sehe ich in Köln genug. Diese Veganeryogatypen, Impfskeptiker, Schlechtekindheitgehabthaber. Ohne meine kleinen erotischen Geschichten überhöhen zu wollen, hoffe ich insofern, dass sie auch etwas „sozial“ sind, indem Autorin wie Leser gemeinsam über menschliche Abgründe lachen. Ich liebe unsere Abgründe.
Henrike Lang

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