Social Media – wie viel ist zu viel?

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Vorletztes Wochenende nahm ich an einer Weiterbildung zum Thema Social Media teil. Selbst ich, die die sozialen Netzwerke schon lange als festen Bestandteil meines Lebens akzeptiert habe, war von den Möglichkeiten erschlagen.
Laut Tipps und Tricks, die die Dozentin aus Blogs, Büchern und eigenen Erfahrungen gesammelt hat, beginnt man als PR-Mitarbeiterin eines Verlags den Tag am besten damit, zwei Stunden lang durch die aktuell angesagten Hashtags (diejenigen Themen, welche mit dem Hashtag-Zeichen # gekennzeichnet und gebündelt werden) zu scrollen. Worüber spricht die Internetwelt heute? Vielleicht passt ein Hashtag zu einem unserer Bücher (und bekanntlich kann man alles passend machen, wenn man es nur genug modelliert und verbiegt). Sobald uns PR-Menschen etwas einfällt, sollten wir es zu dem entsprechenden Hashtag posten, natürlich mit Link zum Buch – und zwar so schnell wie möglich, denn in ein paar Stunden ist das Thema schon wieder out.
So geht also der Vormittag vorbei. Und auch der Nachmittag ist frei von Langweile. Immerhin gibt es mittlerweile nicht nur Facebook, sondern auch Twitter, Instagram, Youtube, Tumblr, Pinterest und Snapchat wollen gefüttert werden. Obwohl sich die Nutzer dieser Netzwerke teilweise überschneiden, haben sie alle ihren eigenen Ton und eine besondere Atmosphäre, sodass jeder Beitrag auf das entsprechende Portal zugeschnitten werden muss. Bloß keine Doppelungen! Dazu möglichst viele Fotos – und natürlich Hashtags.
Der Content (denn in der Social-Media-Welt spricht niemand mehr von „Inhalt“) sollte originell, aber gleichzeitig SEO-optimiert sein. Originell sind zum Beispiel Interviews, Aktionen, bei denen die Followers eingebunden werden, Verlosungen, Kommentare zu aktuellen gesellschaftlichen Debatten, Blogposts usw. Diese werden nicht nur von Menschen gelesen, sondern auch von den Suchmaschinen (SEO Marketing). Google und Co. wünschen sich spezielle Formate und eine Anhäufung von Schlagwörtern. Onlinetexten merkt man es an, ob sie für Menschen oder Maschinen erstellt wurden.
Zum Glück gibt es viele hilfreiche Tools in Form von Apps. Mit diesen können wir schnell Bilder bearbeiten, in größeren Artikel- und Fotopools recherchieren, Tweets und Posts vorprogrammieren und automatisch teilen, up to date bei den Posts der Konkurrenz bleiben u.v.m. Was dazu designt wurde, Social-Media-Nutzern das Leben zu erleichtern, macht letztlich noch mehr Arbeit, denn jede App bring neue Möglichkeiten, und die benötigen nach wie vor die Vorbereitung, Handhabung und Kontrolle eines Menschen.
Die größten Probleme im Social-Media-Marketing sind meiner Meinung nach die folgenden:
Die AutorInnen müssen mitmachen (was teils klappt, aber teils aufgrund von Zeitmangel oder Unkenntnis über die neuesten Social-Media-Trends nicht funktioniert)
Wie viel ist zu viel? Wie viel kann man posten, ohne die Follower zu nerven?
Was bringt es? Klar, Aufmerksamkeit im Netz fördert das Verlagsimage und bringt die Bücher ins Gespräch. Aber steigen die Verlaufszahlen dadurch? Denn das ist ja letzten Endes das Ziel.
Andererseits: Ohne Social Media geht es nicht mehr. Die Netzwerke sind häufig der einzige Weg, um die jüngeren Generationen zu erreichen. Ich kaufe Bücher selbst nur noch auf Empfehlung von einer Freundin oder (häufiger) von einer Bloggerin oder Nutzerin von Facebook, Pinterest, Tumblr und Co. Social-Media-Marketing ist unumgänglich.
In einem Workshop auf der Weiterbildung haben wir in Gruppen ein Online-Marketing-Konzept für eine Neuerscheinung entwickelt. Dabei kamen unglaublich kreative, teils spektakuläre Aktionen heraus. Allerdings sind wir von einem unbegrenzten Budget und jeder Menge Zeit ausgegangen. In der Realität können sich kleine Verlage selten Ausgaben für Social-Media-Marketing leisten, und PR-Mitarbeiter haben neben dem Online-Marketing viele andere Dinge zu tun. Wir können uns nicht den ganzen Tag lang um die Needs der Netzwerke kümmern.
Trotzdem habe ich Anregungen, Ideen, Tipps und vor allem eine große Portion Motivation aus der Weiterbildung mit zurück nach Tübingen gebracht. Wichtig ist, sich die Zeit zu nehmen, für jede Neuerscheinung zu brainstormen, welche Social-Media-Aktionen sich anbieten. Wir müssen Social Media nutzen, um unsere Zielgruppe zu erreichen, aber wir dürfen uns und unserer Follower nicht in Posts, Shares und Hashtags ertränken.
Sunita Sukhana

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