Schwimmen und Schreiben

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Der Sommer ist jetzt wirklich bald vorbei und damit auch die Freibadzeit. Dieses Jahr war ich ziemlich oft im Freibad. Nicht in Berlin. Ich könnte zwar zu Fuß das wahrscheinlich berühmteste Freibad der Republik erreichen, das Kreuzberger Prinzenbad, über das schon mal ein Film gedreht wurde, aber ich fürchte mich vor ihm. Jeder, der den Film gesehen hat, wird das verstehen. Ich gehe lieber schwimmen, wenn ich privat verreise. Freibad, egal wo, ist eigentlich mit recht vielen Unannehmlichkeiten verbunden. Die Umkleidekabinen, eklig, wenn der Boden dort nass ist, die Schränke, die Bänder fürs Handgelenk, an denen der Schlüssel für den Schrank befestigt ist, eklig, wenn die Bänder nass sind, als handelte es sich nicht um Chlorwasser von der vorherigen Nutzung, sondern als hätte jemand draufgepinkelt. Die nervtötenden Jugendlichen mit ihrem Gekreische und ihren Arschbomben. Diejenigen, die quer schwimmen, weil sie 50 Meter wohl nicht schaffen. Trotzdem, ich nehme all das auf mich. Gerne sogar. Ich war als Kind im Schwimmverein (im „TUS Herten“), der Chlorgeruch weckt Erinnerungen. Durch die Schwimmbrille kann ich sehen, dass niemand der vor mir Schwimmenden den richtigen Brustbeinschlag beherrscht. Mit dem Schwimmen scheint es sich ähnlich zu verhalten wie mit dem Fahrradfahren: man verlernt es nicht. Für 1000 Meter brauche ich heute rund 25 Minuten.
Ich kann den Protagonistinnen meiner Krimis nicht jedes Mal eine Kindheit im Schwimmverein andichten, obwohl ich das gerne würde. Mit Schwimmvereinen und dem Training kenne ich mich aus. Es prägt offenbar fürs ganze Leben: ich bin lieber im schönen blauen Becken als zum Beispiel in einem schlammigen See, dessen Boden ich nicht sehen kann. Im schönen blauen Becken kann man auch viel besser die absolvierte Strecke messen. Schwimmen ist eigentlich total langweilig. Eine Bahn nach der anderen. Während dieser 25 Minuten kann ich herrlich viel denken. Das habe ich, glaube ich, schon damals im Schwimmverein getan. Schwimmen ist nicht empfehlenswert für Leute, denen schnell langweilig wird und die es nicht mit sich alleine aushalten können. Schreiben wohl auch nicht. Eine 50-Meter-Bahn nach der anderen – wie Schreiben, eine Seite nach der anderen, und noch eine Seite, dann ist das Kapitel endlich fertig, Wende, nächste Seite.
Regina Nössler

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