Nach dem Buch

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Zwei Wochen nach unserem letzten Blogbeitrag hat die Druckerei nun „Mein lesbisches Auge 16“ erhalten!
Die Arbeit daran war wie jedes Mal: viele Ideen kommen uns erst beim Layout und dem Lektorieren der Texte. Und viele Ideen entstehen nicht via E-Mail, Telefon etc., sondern gemeinsam, von Angesicht zu Angesicht (in Tübingen abends gerne bei einem Glas Trollinger).
Eine dieser Ideen war die „16“. Da es sich um das lesbische Auge 16 im Jahr 2016 handelt, fiel uns ein (beim Kaffee, nicht beim Trollinger), dass wir im ganzen Buch kleine Statements verteilen könnten: „Wie warst du mit 16?“ – Schwieriges Alter, und zunächst wollte auch keine antworten, aber nach und nach erreichten uns kurze Beschreibungen. Die übrigens, unserem Eindruck nach, umso „ehrlicher“ klingen, je weiter man selbst von der Pubertät entfernt ist. Wir gaben natürlich auch Auskunft darüber, wie wir mit 16 waren.
Regina überlegte sich eine Reihenfolge, Texte, die sich thematisch miteinander verbinden lassen, hintereinander, einen schönen Anfang, ein mögliches Ende, kleine Kontrapunkte dazwischen. Claudia fügte einen Text nach dem anderen ein, stellte die ersten Bildstrecken dazu. Dann luden wir weitere Fotografinnen und Malerinnen ein, denn es waren Lücken geblieben. Auch im Ablauf der Texte, so animierten wir zwei Autorinnen, uns zu bestimmten Themen doch noch etwas Kurzes zu schreiben.
Regina reiste zurück, wir kommunizierten wieder per E-Mail und Telefon.
Aus diesem Vorlayout „das Ganze“ zu bauen, dauert noch einmal so lange, eine Woche, ununterbrochen, zunehmend auch in den Nächten.
Die Texte gehen „ungut“ auf, kleine Schnipsel hängen auf die jeweils nächste Seite über. Neue Texte ließen wir bisher auf neuen Seiten beginnen. Zu manchen Texten lässt sich eine Bildebene assoziieren (selten illustrativ, sondern assoziative Zusatzebenen) – aber das geht nicht bei allen Texten, manche vertragen schlicht keine Bilder. Deshalb entschloss ich mich diesmal – es schien besonders viele Schnipsel zu geben –, manche Texte direkt unter den anderen anfangen zu lassen. Es sah unschön aus. Dann inspirierten mich die zart türkisenen Seiten mit den zwischengestreuten Kurztexten zur „16“, ich „klaute“ mir von der Farbe Linien, die ich zwischen die Texte setzte – das kommt vielleicht nur drei- bis fünfmal im Buch vor, sieht aber sehr hübsch aus.
Dann kam der erste der von uns angeregten Texte: von Karen-Susan Fessel – Regina schlug vor, den kleinen thematischen Block, zu dem Karen-Susans Text gehört, an eine andere Stelle im Buch zu setzen. Es geht um das Leben in Langzeitbeziehung mit Kindern – und das folgte ursprünglich noch direkt nach einer kleinen Serie mit SM-Texten. Ich schob es in eine passendere Umgebung.
Etwas in einem Ablauf umzusortieren, in dem schon die Bildstrecken enthalten sind, ist mühsam, passiert aber dauernd, da sich das Buch während des „Bauens“ immer wieder neu zusammenfügt. Manche Bildstrecken wirken nicht, wenn sie zu nah aufeinander folgen usw., all das, was später keine Leserin mehr bemerkt, was aber das Blättern vielleicht zu einem Vergnügen macht.
D.h. beim Umsortieren muss immer auch das ganze Drumherum beachtet und teilweise auch umsortiert werden.
Noch vorgestern waren zwischen zwei Bildserien Doppelseiten für einen Text frei, denn den Text, der ursprünglich zwischen den Bildern der Malerin Xenia Hausner und der Serie der Fotografin Goddyn Green war, hatte ich etwas weiter hinten einsortiert, zu einer Bildstrecke, zu der er ideal „passte“.
Ich las fieberhaft im Stapel der übrig gebliebenen Zusendungen. Das Einzige, was mir spontan gefallen hätte, war viel zu lang, ein Kurzroman. Die Texte, die ich Regina schließlich mailte, gefielen ihr nicht, ihr literarisch feiner Lektorinnenblick hatte sicher recht!
Ich bettelte eine unserer „Stammautorinnen“ an, uns noch etwas Neues zu schicken. Sie sitzt im Moment an einem Roman, „klaute“ sich selbst eine Szene und arbeitete sie um zu einer Kurzgeschichte. Die letzte Textlücke gefüllt!
Hier und dort fehlten aber noch immer Bilder.
In einem Text wird die Ex-Freundin mit einer Muräne verglichen! Ich suchte nicht bei Wikipedia, sondern auf der La-Palma-Nachrichtenseite, auf der es viele schöne Unterwasserfotos gibt, und tatsächlich fand ich eine Muräne. Der Fotograf reagierte freundlicherweise sehr schnell – und schickte mir mit der druckaufgelösten Bilddatei noch viele weitere unterhaltsame Muränenfotos.
Dann das letzte Durchblättern der PDF, bevor es auf den Druckserver sollte – und auf einmal sprang mich die Seite an: wir hatten einen der kurzen „16“-er-Beiträge versehentlich doppelt eingefügt! Das verschob alles noch einmal – etwa um Mitternacht in der Nacht zu heute schaffte es das Buch endlich auf den Server!
Die ganze Zeit über hatte ich mich bemüht, die erste Seite der 16-er-Texte auf der Seite 16 zu lassen, doch beim letzten Einfügen und Umschieben hat sie sich auf die Seite 18 begeben. So ist das mit 16. Man möchte unbedingt 18 sein!
Claudia Gehrke & Regina Nössler

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