Mein Berufsjubiläum

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In diesem Jahr feiere ich mein zwanzigjähriges Berufsjubiläum. Eigentlich ist das ja nicht viel, immerhin feiere ich dieses Jahr noch ein rundes Jubiläum, nämlich meinen 50. Geburtstag. Andere Leute können da schon auf 35 Jahre in Beruf und Arbeit zurückblicken. Aber ich habe nun mal erst im Alter von 30 Jahren mein erstes Buch veröffentlicht, und damit ging mein langgehegter Lebenstraum in Erfüllung: Schriftstellerin werden!
Nun kann man natürlich überlegen, ab wann man sich eigentlich als Schriftstellerin bezeichnen kann: ab dem Moment, in dem man an seinem ersten Buch schreibt? Oder der ersten Kurzgeschichte? Oder einen Text veröffentlicht? Das erste Buch? Oder vom Schreiben und dem Drumherum leben kann?
Ich plädiere für die letzte Variante: Wenn man von dem, was man macht, leben kann, dann ist das der Beruf. Demzufolge wäre ich aber erst seit gut zehn Jahren Schriftstellerin. Und das ist auch wieder nicht richtig.
Also: die erste Buchveröffentlichung gilt auch, finde ich. Und das ist bei mir zwanzig Jahre her – im Oktober 1994 erschien mein erster Roman „Und abends mit Beleuchtung“ im konkursbuch Verlag Claudia Gehrke, und nur Tage später fand ich mich zum ersten Mal auf der Frankfurter Buchmesse ein und tauchte ein in die Verlags- und Autorenwelt. Hach, war das aufregend!
Noch aufregender aber waren die Monate zuvor. Insbesondere das Bangen und Hoffen, nachdem ich meine in gut eineinhalb Jahren selig dahinverfassten 450 Seiten Manuskript zehnmal kopiert und an zehn Verlage geschickt hatte. Nach einigen Wochen kam eine Zusage, allerdings von einem Verlag, der kurz darauf in Konkurs ging (ein Omen?) und mir aber vorher anbot, das Werk zwei Jahre später, im Frühjahrsprogramm 1996, zu veröffentlichen. Noch während ich hin und her überlegte, kam ein Brief vom konkursbuch Verlag: Das Thema sei spannend, das Buch auch gut geschrieben, aber viel zu lang(-atmig); ich möge doch gut zweihundert Seiten herausstreichen, dann könne man noch mal darüber sprechen.
Der Schock saß tief, aber mein Ehrgeiz war gepackt. Und so kam es, dass ich einige Monate später leibhaftig der Verlegerin Claudia Gehrke in einem Berliner Bistro gegenübersaß, das um die geforderten gut zweihundert Seiten verschlankte Manuskript zwischen uns, und mit klopfendem Herzen über Normverträge und Prozente sprach. Ich hatte mich vorab bestens informiert und mir geschworen, hart zu bleiben: Ein Normvertrag musste her!
Claudia Gehrke betrachtete mich gnädig, biss in ihr heißes, triefendes Käsesandwich, ignorierte die Fettspritzer, die sich wie ein Schleier auf ihre Brille legten, und murmelte: „Gut, dann machen wir das so.“ Mein Herz setzte für einen Moment aus, dann schlug es in rasendem Galopp weiter.
Abends musste ich mich vor Aufregung furchtbar betrinken und konnte mein Glück kaum fassen. Mein BUCH! Wird VERÖFFENTLICHT! In einem richtigen VERLAG! Und ich bekomme einen NORMVERTRAG!
Meine Freundinnen, die mich begleiteten, waren wenig beeindruckt, dafür aber ebenfalls sehr betrunken. Es wurde dann noch ein sehr schöner, unvergesslicher Abend.
Wenn ich in diesem Dezember also meinen 50. Geburtstag und dazu dann gleich noch mein 20. Berufsjubiläum feiere, wird es vermutlich ebenso sein: Meine Freundinnen und Freunde werden sich betrinken, aber wenig beeindruckt sein. Jedenfalls von der Tatsache, dass ich Bücher veröffentliche. Eher davon, dass ich ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel habe. Es wird hoffentlich ein schöner, unvergesslicher Abend. Und Claudia Gehrke lade ich auch ein!
Karen-Susan Fessel

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