Himmel mit Masern

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Auf der zurückliegenden Frankfurter Buchmesse habe ich mein neues Buch „Endlich daheim“ zum ersten Mal gedruckt gesehen und in die Hand genommen. Das ist meistens erst auf der Messe der Fall, weil ich meistens erst auf den letzten Drücker abgebe. Vom Buchcover war ich sofort angetan, auch als ich es vor Monaten nur am Bildschirm sah. Und auch jetzt, in gedruckter Form, leuchtete es schön blau auf dem Messestand.
Claudia Gehrke gestaltet hinreißende Buchcover, die sich u.a. auch dadurch auszeichnen, dass nicht nur die Vorder-, sondern auch die Rückseite ein (passendes) Bild ziert.
Abgesehen von wenigen Ausnahmen empfinde ich es bei meinen eigenen Büchern immer als schwer bis unmöglich, das geeignete Bild zu finden. Zumal, seit es in der digitalen Welt neue ästhetische Erfordernisse gibt. Das Bild muss auch in ganz klein funktionieren, aufgrund des Online-Handels und der Darstellung auf Internetseiten. Bei meinen Büchern gab es Fälle, in denen wir nahezu hunderte von Bildern zur Auswahl hatten und uns nicht entscheiden konnten.
Diesmal war es anders und viel leichter, dachte ich, denn das Bild für mein Cover stand schon im Mai fest, als die Vorschau für Buchhändler und Vertreter gedruckt wurde. Ich konnte mein Glück kaum fassen: Ein Bild! So früh! Ein Buchcover, das mir auch Monate später noch gefiel! (Vielen Dank an dieser Stelle noch mal an die Autorin Sigrun Casper, die es fotografiert hat.)
Und als mein Text dann endlich fertig war, wirklich fertig, auch noch die letzten Lektoratsüberlegungen waren eingebaut, und ich stellte mir ein, zwei Gläser Sekt am Abend vor – fehlte das Bild für die Rückseite. Claudia Gehrke und ich wollten zuerst das Foto einer leicht verschwommenen Berliner U-Bahn verwenden (das inhaltlich gepasst hätte), aber so richtig gefiel uns die U-Bahn dann doch nicht für die Rückseite. Dann fanden wir in den unendlichen Tiefen der Bilder-Ordner ein Foto mit einem Berliner Altbau, darüber drohender dunkelblauer Himmel, wie kurz vor dem Regen, neben einem Schornstein der Mond. Es passte gut zum Bild auf der Vorderseite. Bloß war es aus einem bis heute ungeklärten Grund gespickt mit eigenartigen Flecken, große, kleine, auf der Fassade des Hauses, auf dem ganzen Himmel, überall Flecken! Claudia Gehrke hatte in dieser Phase keine Zeit, das Bild zu bearbeiten, weil sie am Layout des neuen heimlichen Auges saß. Es hatte auch niemand sonst dafür Zeit. Ich kann mit Photoshop überhaupt nicht umgehen, kann gerade mal das Programm öffnen und schließen. Dass man damit allerdings die Flecken wegretuschieren könnte, war mir schon klar. Das sei bei diesen vielen Flecken aber sehr mühsam, hatte Claudia Gehrke mich vorher gewarnt. Und so war es auch. Statt mein fertiges Manuskript zu feiern, stolz in meinen Text zu sehen, beschäftigte ich mich fast einen ganzen Abend damit (Tee statt Sekt), Flecken vom Himmel und von der Hausfassade zu beseitigen, ich radierte versehentlich den Mond weg, weil ich ihn für einen Fleck hielt, das musste Claudia dann noch korrigieren – aber der Aufwand, fanden wir auf der Messe, hat sich gelohnt.
Regina Nössler

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