Hetenlob

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„Kill them with a smile“ ist ein amerikanisches Sprichwort, das von mir stammen könnte. Auf homophobe Angriffe von Heteros reagiere ich mit einem höflichen Lächeln, denn Argumentieren bringt nichts. Menschen hängen an ihren Überzeugungen, so bizarr sie auch sind. Im Übrigen habe ich nichts gegen Heten, absolut nichts. Einige meiner besten Freunde sind Heten, und ich würde sie jeder spaßfreien Lesbe und jeder narzisstischen Tunte blind vorziehen. Seit ich Mutter bin, ist mein Verständnis für Heten noch gewachsen. Das möchte ich an dieser Stelle, im konkursbuch-Blog, einmal ausdrücklich kundtun. Es sind erstaunliche Menschen.
Ich stelle es mir jedenfalls abenteuerlich vor, jemanden vom anderen Geschlecht zu lieben, weil ich ihn nie völlig begreife; seine Körperlichkeit unterschiede sich von meiner und damit, subtil, auch Denkweisen. Judith, meine Frau, die ziemlich butch ist, verstehe ich ja auch nicht immer, aber grundlegend weiß ich, wie Frauen ticken. Das Mädcheninternat kenne ich, an der Glasscheibe zur Männerwelt drücke ich mir nur zuweilen die Nase platt. Was ist es, was Heteras immer wieder zur Männerwelt und Heteros zum Mädcheninternat treibt? Der Sexualtrieb als Getriebensein? Eine genetische Veranlagung, und dann hat man den Salat und muss, nolens volens, mit ihm leben?
Heterosexualität ist Diversity pur. Respekt.
Und ja, es stimmt tatsächlich: Die meisten Familien in Deutschland sind heterosexuell. Sie tragen noch immer die Hauptlast der Fortpflanzung, auch wenn wir Lesben und Schwule allmählich nachziehen. Natürlich folgt auf Zeugung nicht immer Erziehung, wovon Jugendämter und Schulpsychologen künden. Aber es gibt doch erstaunlich viele anständige, fähige Hetero-Eltern, muss ich sagen. Die ihrem Kind jeden Tag Stullen schmieren, Nudelsauce kochen und bergeweise seine spielplatzverdreckte Kleidung waschen, wie meine Frau und ich. Ihm neue Winterschuhe kaufen und die Hausaufgaben kontrollieren. Die es abends behutsam fragen, wie es mit bösen Buben und Mädchen klarkommt, und es seinerseits ermahnen, wenn es andere piesackt. Und und und. Es ist die ständige anstrengende Wiederholung, die Erziehung zu einer kleinen Heldentat macht.
Früher haben meine Frau und ich geglaubt, Heten bekämen einfach Kinder, und basta. Das sei eben ihre Privatsache, so wie andere sich einen Schäferhund halten. Heute, mit Kind, wissen wir, was auch heterosexuelle Eltern leisten. Sie haben dieselben blauschwarzen Ränder unter den Augen wie wir. Abgesehen davon, dass sie zusätzlich noch einen kapriziösen gegengeschlechtlichen Partner wuppen müssen, unterscheiden wir uns eigentlich nicht groß.
Jedenfalls vielen Dank an die Millionen von fähigen heterosexuellen Eltern da draußen – sofern sie auch Homosexuelle anständig behandeln. And if they don’t, I will just smile and turn away.
Henrike Lang

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