Geglitzer/ Bücher sind zum Teilen da

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Claudia:
In den letzten Wochen waren wir viel unterwegs.
In den Städten Geglitzer. Natürlich sehe ich das auch kritisch, sinnloser Stromverbrauch, Einkaufsstress vor Weihnachten und so weiter.
Aber optisch genieße ich es sehr. Es ist schlicht schön, durchs warme gelbe Glitzern und Funkeln zu fahren und laufen, zu beobachten, wie es sich unendlich fortsetzt, sich spiegelt im Lack von Autos, in Schaufensterscheiben, auf Brillengläsern. Wir waren mit Veranstaltungen unterwegs und nicht zum Einkaufen. Meine Weihnachtsgäste, Family und FreundInnen, haben beschlossen, sich nichts mehr zu schenken! Keinen Einkaufsstress bitte.
Aber irgendwann überkommt es mich doch. Unterwegs besuchen wir Buchhandlungen, vor allem die, die auch unsere Bücher sichtbar im Sortiment haben (beispielsweise Osiander und den Frauenbuchladen in Tübingen, Prinz Eisenherz in Berlin, La Sorpresa in El Paso, Librería Ler in Los Llanos, und es gibt natürlich noch viele andere in diesen und anderen Orten, in denen wir nicht unterwegs waren!). Eine Verlegerin schenkt Bücher, opulenten Lesestoff. Überhaupt, las ich, gehören Bücher immer noch zu den am häufigsten verschenkten Dingen. Und sie können gut weiterverschenkt werden. Doch für wen soll ich welches Buch kaufen?
Und dann empfinde ich auf einmal auch im Laden das Geglitzer: wenn mir Buchhändlerinnen und Buchhändler mitten aus dem Weihnachtstress heraus ausführlich und mit überspringender Begeisterung von den Büchern berichten, die sie selbst besonders gerne gelesen haben.

Sunita:
Das Einzige, was noch besser ist, als ein gutes Buch zu lesen, ist mit jemanden ausführlich darüber zu sprechen. Lesen ist eine wundervolle Beschäftigung, aber noch mehr Spaß macht es, wenn man mit einem Freund über den Plot diskutieren, für die Lieblingsfigur schwärmen, den Bösewicht verteufeln oder verteidigen und zusammen die Trauer darüber überwinden kann, dass jedes Buch ein Ende hat.
Wenn ich ein tolles Buch entdecke, leihe ich es nach dem Lesen sofort meinen besten Freundinnen aus – besser gesagt, ich zwinge es ihnen auf, mit den Worten: Lies das oder du wirst es bereuen. Ich habe eine Freundin, die eine ganze Regaletage nur mit von mir geliehenen Büchern gefüllt hat und mit dem Lesen einfach nicht hinterherkommt. Wir machen Witze darüber, dass sie mir die Bücher an meinem Totenbett zurückgeben wird und ich dann ein paar Monate länger leben muss, um sie alle noch einmal zu lesen.
Blöd ist nur, wenn ich schon vorher ein Buch noch einmal lesen möchte. Oder es einem anderen (schneller lesenden) Freund leihen will. Deshalb leihe ich manche Bücher nicht aus, sondern kaufe sie nochmal und schenke meinen Freunden ein eigenes Exemplar.
Eines meiner Lieblingsbücher als Kind wurde mir von der Mutter einer Freundin geschenkt. Letztens habe ich es gesucht, weil ich den Titel vergessen habe (es ging um eine dystopische Klassengesellschaft und die Protagonisten waren Zwillinge, die per Telepathie miteinander kommunizieren – was könnte das sein?), da habe ich mich erinnert, dass ich es schon vor Jahren weiterverschenkt habe. Hätte ich doch lieber ein weiteres Exemplar gekauft.
Als Teenager habe ich mir außerdem mal von meiner damals besten Freundin den 2. Teil der Gossip Girl Reihe gewünscht. Bevor ich mein Geschenk erhielt, hat sie das Buch nachts selbst durchgelesen und schon war unsere gemeinsame Leidenschaft für die Jugendbuch-Serie entfacht. Immer abwechselnd haben wir uns die 11 Bücher der originalen Serie gekauft, sodass sie die eine Hälfte und ich die andere besaß und wir uns ständig gegenseitig Exemplare ausliehen haben. Leider sind wir mittlerweile nicht mehr befreundet und ihre Hälfte der Bücher ist für mich verloren, darunter mein Lieblingsteil. Vor ein paar Tagen aber habe ich genau dieses Buch hier in Tübingen im Antiquariat für einen Euro entdeckt. Das war ein schönes vorzeitiges Weihnachtsgeschenk an mich selbst!
Als Kind und Jugendliche fand ich die Harry Potter Bücher nicht nur super, weil sie eine interessante Geschichte erzählen, sondern auch, weil jeder sie gelesen hat und sich somit permanent in den hinteren Reihen während Mathestunden, bei der Gymnastik im Sportunterricht und im Bus auf dem Weg zu Freizeiten engagierte Gespräche darüber entwickelt haben. Im Erwachsenenalter gibt es selten Bücher, die jeder gelesen hat und über die man sich regelmäßig unterhält. Schade eigentlich. Ich finde, zu Weihnachten sollten wir unsere Lieblingsbücher an unsere Lieblingsmenschen verschenken, so dass wir 2016 mit guten Gesprächen über Literatur beginnen können.
von Claudia Gehrke und Sunita Sukhana

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