Fragen an Autorinnen: Elke Weigel

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Bist du hauptberuflich Schriftstellerin oder hast du noch eine andere Arbeit?
EW: In meinem Hauptberuf bin ich Diplom-Psychologin und Tanztherapeutin in einer eigenen Praxis.
Wie kamst du zum Schreiben?
EW: Als Erstes schrieb ich ein psychologisches Fachbuch, danach entwickelte ich für meine therapeutische Arbeit Fantasiereisen, und ich merkte, dass es mir viel Spaß macht, Geschichten zu schreiben. Meine ersten Versuche waren Kurzgeschichten, danach kam schnell das Bedürfnis, einen Roman zu schreiben.
Was war das letzte Buch, das du veröffentlicht hast? Worum geht es? Wie kamst du auf die Storyidee?
EW: Meine letzte Veröffentlichung war „Sterben in Schwarzweiß“, der zweite Band nach „Mutterschuld“.
Die Ermittlerin ist wieder die junge Psychologin Carolin Baittinger, die mit unorthodoxen Methoden arbeitet (also ganz anders als ich). Die Idee zu dieser Geschichte bekam ich, als ich ein Foto von Annemarie Schwarzenbach sah. Ein Foto, auf dem man nicht auf den ersten Blick sieht, ob es eine Frau oder ein junger Mann ist. Daraus entstand die Geschichte von zwei Schwestern, die sich die „Engel“ nennen und nur Schwarzweißfotos von sich machen. Das Spiel mit der Uneindeutigkeit in der Kunst hat mich fasziniert, ebenso das Thema Androgynität. Mit hinein fließen Überlegungen, wie sich die eigene Identität über Schönheit definiert und was geschieht, wenn sich das Aussehen verändert. Von da war es nicht mehr weit zum Thema „Multiple Persönlichkeit“. Wer bin ich? Und wann treten welche Persönlichkeitsanteile zum Vorschein? Alex, eine meiner Figuren im Roman, ist von diesem Krankheitsbild betroffen, aber ich denke, wir alle kennen in abgeschwächter Form das Gefühl, dass da noch andere Anteile in uns wirken. Jüngere, ältere, männliche und weibliche.
So habe ich das Thema Identität von mehreren Seiten beleuchtet und in eine Geschichte gepackt.
Wie gehst du beim Schreiben vor? Hast du bestimmte Methoden, Rituale etc.?
EW: Schreiben kann ich an vielen Orten. Am Schreibtisch, auf dem Sofa mit dem Laptop auf dem Schoß, im Café. Oft verwende ich auch ein Notizbuch, wenn ich unterwegs bin. Gerne suche ich Orte auf, die mit meiner Geschichte zu tun haben, das regt meine Fantasie besonders an.
Regelmäßig treffe ich mich auch mit meiner Schreibgruppe. Wir besprechen zuerst, wo jeder steht, und helfen uns, wenn es irgendwo klemmt. Dann gehen wir zusammen Mittagessen und reden weiter übers Schreiben, was besonders herrlich ist, weil das Leute, die nicht schreiben, in dem Ausmaß gar nicht ertragen könnten. Anschließend sitzen wir dann mit den Laptops da, und jeder schreibt an seiner Geschichte weiter, bis einer schreit: „Hört euch das an, wie klingt das?“
Solche Treffen sind sehr produktiv und motivierend.
Basieren deine Figuren auf Menschen, die du kennst, oder sind sie frei erfunden?
EW: Sie sind immer frei erfunden.
Wer ist deine liebste Figur, die du je erschaffen hast?
EW: Es ist immer die, mit der ich gerade beschäftigt bin.
Schreibst du nur in einem bestimmten Genre? Welches? Was interessiert dich daran?
EW: Ich schreibe in mehreren Genres. Bei historischen Romanen interessiert mich, wie Frauen in früheren Zeiten lebten und was uns das heute noch sagen kann. In meinen Krimis greife ich gesellschaftliche Themen auf, die meiner Meinung nach mehr Beachtung verdienen. In „Mutterschuld“ ist es meine Kritik an der Psychiatrie und das Thema Homophobie. In „Sterben in Schwarzweiß“ Androgynität und das Krankheitsbild der Multiplen Persönlichkeit, über das zu viele falsche Ansichten kursieren.
Wie kamst du zum konkursbuch Verlag?
EW: Ich hatte eine Kurzgeschichte für das Jahrbuch „Mein lesbisches Auge“ eingeschickt und kam darüber in einen Austausch mit Regina Nössler, die die Redakteurin ist. Ich hatte für „Mutterschuld“ und „Sterben in Schwarzweiß“ einen Vertrag beim Theiss Verlag in Stuttgart, aber dann stellte der Verlag seine gesamte Krimisparte ein, man könnte sagen, wegen Konkurs. Regina riet mir, die Bücher Claudia Gehrke vorzustellen. Und so ist es schon witzig, dass jetzt der konkursbuch Verlag die Bücher herausgebracht hat.
Welches Buch liest du gerade?
EW: Gerade lese ich Kurzgeschichten von Kathrin Mansfield, Doris Lessing und F. Scott Fitzgerald.

 

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