Festzeit auf La Palma

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Von den vielen Inselfesten auf der nordwestlichsten der Kanaren hat jedes seinen eigenen Charakter, und manches wird nicht einmal am dafür gedachten Tag gefeiert. Dazu zählt die „Fiesta en Honor a Nuestra Señora del Carmen“ in Puerto Espíndola.
Die Schutzpatronin des Meeres, der Fischer und der Marine wird in anderen Orten bereits am 16. Juli geehrt, das kleine Fischerdörfchen der Gemeinde von San Andrés y Sauces verwandelt sich jedoch alljährlich am ersten Augustwochenende in das quirlige Zentrum der Pilger.
Drei Tage stehen sich Religiöses und Weltliches wie üblich nicht im Wege. So gibt es am Freitag Freibier, einen Angelwettbewerb und Tanz. Samstag Kinderfest, Messe, Prozession mit anschließendem Feuerwerk und wieder Tanz.
Sonntag ist der wichtigste Tag. Es lohnt sich, bereits am frühen Vormittag dabei zu sein, noch dazu an so einem herrlichen Sonnentag. Begleitet von mehreren Booten begibt sich die Jungfrau von Carmen unter lauten Böllerschüssen zu ihrer feierlichen Ausfahrt aufs tiefblaue Meer. Wieder an Land umrahmt die heimische Musikkapelle die Rückkehr der Marienstatue an ihren ruhigen, glasgeschützten Standort.
Rasch füllen sich die alten Hafenmauern und der angrenzende schwarze Sandstrand mit Menschen in Badekleidung, bunten Sonnenschirmen, Gummibooten und Luftmatratzen. Alle Blicke richten sich auf den dick mit Fett eingeriebenen Baumstamm, der horizontal aus dem Mauerwerk ragt. Es beginnt die „cucaña“. Bei dem traditionellen, feuchtfröhlichen Wettbewerb gilt es, das am unteren Balkenende befestigte Fähnchen zu ergattern. Zehn Männer und die einzige Frau balancieren, schlittern, schlingern, rutschen, laufen und stürzen unzählige Male aus luftiger Höhe in den Atlantik hinab. Die Stufen zur Mauer wieder hoch. Runter – hoch. Angefeuert von den Rufen der Zuschauer, von denen viele nun auch im Meer baden oder auf Luftmatratze und Co. dahindümpeln, schaben sie mit ihren Füßen und Händen bei jedem Versuch immer mehr von der Fettschicht ab. Endlich gelingt es einem der Teilnehmer, im Sturz das Fähnchen mit sich zu reißen. Er wird begeistert gefeiert, und da sich inzwischen der Appetit breitgemacht hat, wird auch die anschließend aufgetragene „Riesen-Paella für alle“ mit großer Anteilnahme begrüßt, um das Fest anschließend bei Musik und Tanz ausklingen zu lassen.
Ines Dietrich

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