Fehlt nur noch der Titel

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Jeder Text braucht einen Titel, einen Namen, mit dem er sich stolz im Buch von den anderen Texten unterscheiden kann. Oder wenn er ein langer Text ist, also quasi ein Roman, im Regal von den anderen Büchern. Klar, man könnte auch nummerieren, aber für die Uneingeweihten klingt „Eins“ dann sehr eitel und „Sieben“ könnte auf sich allein gestellt auch ein Imperativ sein. Der dann allerdings auf Partys zu verkaufsfördernden Diskussionen führen könnte.
„Hat mir gut gefallen, das Buch, aber gesiebt hat da doch keiner, oder?“
„Ach, das ist nummeriert?“
„Nein, die anderen sechs kenne ich auch nicht.“
Wie benennt man also sinnvoll eine Ansammlung von Sätzen und Buchstaben?
Bei einem Kind ist das einfach, da plant man den Namen schon, bevor man das fertige Produkt in den Händen hält. Im Ruhrgebiet achtet man zum Beispiel mit Abitur darauf, dass der Nachwuchs später bei der Übergabe des Nobelpreises eine gute Figur abgibt (Jakob-Jonathan). Ohne Abitur sucht man angestrengt nach einem Namen, der auf keinen Fall nach der Fußgängerzone von Bottrop-Lehmkuhle, sondern nach den Boutiquen von Paris und den Villen von Los Angeles klingt (Chantal-Kimberly).
Wonach soll aber der Titel eines Textes klingen? Soll er verraten, was die Leser erwartet, oder soll er es neckisch verbergen? Soll er den Weg vorgeben? Oder in die Irre führen?
Ich persönlich bewundere Schriftsteller, die 250 handelnden Personen auf 1536 Seiten einen Titel aus drei Worten geben: Krieg und Frieden. Zack! Alles gesagt!
Verwirrend finde ich eine andere Glaubensrichtung, die von einem Iren vertreten wird, der in langen Sätzen über einen anderen Iren und einen einzigen Tag in einer einzigen irischen Stadt schreibt, sein Buch aber nach einem griechischen Sagenhelden benennt, der zehn Jahre durch die Mittelmeerregion irrt.
Würde ich mir ein Beispiel an der Benennung von Städten nehmen, die man früher gerne nach ihren Gründern oder einer geografischen Gegebenheit in der Nähe benannt hat, dann würden alle meine Texte Baxtränental heißen und damit enthüllen, wo ich mich kurz vor jeder Deadline befinde. Gerade übrigens wieder, weil der Verlag so gerne einen Blogbeitrag haben möchte und mir nichts einfällt, worüber ich schreiben könnte.
Und mir dann zum Glück nach lautem Klagen doch etwas eingefallen ist.
Puh! Erledigt!
Fehlt nur noch der Titel.
Anne Bax

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