Die Ups & Downs des Verlagslebens

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Es gibt diesen netten Spruch: „If there are no ups and downs in your life, it means you’re dead.“ Daneben ist meistens ein Bild eines EKGs abgebildet.
Ich bin definitiv nicht tot.
Seit zwei Monaten bin ich jetzt im konkursbuch Verlag tätig. Was ich da so mache? Nun, die meiste Zeit über maile oder telefoniere ich mit Leuten verschiedener Zeitungen, Buchhandlungen oder Kulturzentren, weil wir irgendetwas von ihnen wollen: einen Lesungsort, eine nette Rezension, eine Erwähnung, einen stabilen Tisch für die Tischperformance, ein Gesangsmikrofon und mehrfarbige Scheinwerfer usw. Das Übliche eben. Ich habe bestimmt schon 200 Anfragen dieser Art rausgeschickt und 20 E-Mails erhalten mit der Info, dass unser Lesungsangebot leider nichts für die Location ist, sowie 30 Telefonate geführt, bei denen mir Ähnliches erklärt wurde.
Aber ich habe auch schon eine Handvoll Mails erhalten und Telefonate geführt, bei denen mein Gesprächspartner begeistert ausrief: Mann, das ist ja ein fantastisches Buch! Lass uns zusammenarbeiten! Und ich denke mir dann: Eben! Endlich versteht es mal jemand. Für diese 10 positiven Gespräche kämpfe ich mich durch die 50 negativen. Es ist komisch, wie nur ein paar Zusagen, ein paar kleine Erfolge so viel wirksamer sind als dutzende Absagen. Wenn ein toller Artikel über eines unserer Bücher erscheint, freue ich mich wie ein kleines Kind an Weihnachten. Tolle Rezensionen und Lesungsangebote sind mein Weihnachten.
Was ich außerdem an meinem Job liebe, sind die vielen interessanten Menschen, die ich kennenlerne, egal ob Autoren, Tänzer, Musiker oder Künstler. Das glamouröse Leben einer Burlesque- Tänzerin, die kreativen Schübe einer Autorin – das ist es, was mich fasziniert. Auch unsere Veranstaltungen, die „Love Bites“, mitzuerleben und zu wissen, dass ich eine der Personen bin, die diese Show ermöglicht haben, ist für mich ein Höhepunkt. Ich lache jedes Mal genauso herzhaft wie beim ersten Mal und staune immer wieder über die begabten Tänzer, Musiker und Autoren.
Es geht natürlich nicht immer alles glatt. Letztens bei der Mainzer Minipressenmesse kam ein Herr an unseren Stand, der einen Akzent hatte. Er blickte sich an unserem Büchertisch um, blätterte in Fotobüchern und fragte, ob wir auch etwas Harmloseres hätten. Statt „harmlos“ verstand ich blöderweise „Sadomaso“ und reichte ihm den härtesten Fotoband, den wir haben. Nach einem verwirrten Blick und einer Berichtigung wurde das Missverständnis aufgelöst, und der Mann kaufte am Ende zwei von unseren Fotobänden. Von den Harmloseren, versteht sich.
Sunita Sukhana

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