Die richtige Berufswahl

| Keine Kommentare

Weihnachten zeigt sich, dass die Berufswahl richtig war.
Weihnachten? Ja, nett. Aber viel besser: die Weihnachtsfeiertage! Diese Differenzierung hat nicht nur mit meiner fehlenden Religiosität zu tun und mit der Tatsache, dass ich weiß, dass es deshalb – zumindest für mich – eigentlich Quatsch ist zu feiern, ich es aber dennoch tue, mich an der Simulation erfreuend.
Wichtiger ist: Weite Teile meines, insbesondere beruflichen, Umfeldes befinden sich zwischen Weihnachten und Neujahr quasi in Betriebsferien. Das ermöglicht mir, was ich mir als kleiner freischaffender Schreiberling sonst höchstens noch von Karfreitag bis Ostermontag leisten kann: ein paar Tage lang nicht in meinen elektronischen Briefkasten zu schauen, mich jeglicher Kommunikation via E-Mail unbesorgt (und mit einleuchtender Begründung) zu entziehen, überhaupt das gesamte Internet links liegen zu lassen, ja, nicht einmal an den Computer zu gehen.
Drei, vier rechnerfreie Tage bedeuten aber auch: drei, vier Tage ohne zu schreiben. Ich setze mich diesbezüglich auf Entzug. Und halte es ganz ohne doch nicht aus: Spätestens am zweiten Tag beginne ich, Zettel vollzukrakeln mit Ideen, Fragen, Dingen, die ich doch mal bei Wikipedia oder sonst wo nachschauen sollte. Am Verfassen größerer Texte hindern mich drei Tatsachen: Erstens bekomme ich beim Schreiben mit der Hand schnell einen Krampf, zweitens kann ich den Text auf einem Blatt nicht so schön formen wie am Bildschirm und drittens vermag ich mein Gekrakel später kaum mehr zu entziffern.
Am dritten Tag hat der Schreibentzug dann schon etwas von Lust am Leiden, als probierte man aus, wie lange man es im kalten Wasser oder am heißen Ofen aushält. Bestenfalls schaffe ich es noch einen vierten Tag, den immer stärker lockenden Rechner ausgeschaltet zu lassen.
Am fünften Tag dann MUSS es sein. Endlich wieder zu tippen ist ein Genuss – allenfalls zu vergleichen mit der ersten Zigarette, nachdem man eine Woche oder sogar einen Monat tabakabstinent war. Selten schmeckt der Rauch so gut wie in diesem Moment. Und selten macht das Schreiben so viel, so ungetrübt Spaß. Zumal ich dann, am 27. oder 28. Dezember, weiß: Dass ich das zu meinem Beruf gemacht habe, war die absolut richtige Wahl.
Jan Gympel

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


%d Bloggern gefällt das: