Der typische konkursbuch-Stand-Besucher

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Es ist wirklich kein Schönreden oder Übertreiben, wenn ich sage, dass unser Stand der außergewöhnlichste Verlagstand auf der Frankfurter Buchmesse war. Wo sich an anderen Ständen ein paar Leute herumtrieben, sammelte sich vor dem konkursbuch-Tisch häufig eine Menschentraube an. Zu danken ist dafür natürlich unserer großen, bunten und fotografiereichen Auswahl an Büchern, die uns mehr wie eine Buchhandlung als einen kleinen Verlag aus Tübingen wirken lässt.
Während ich fünf Tage damit verbracht habe, den konkursbuch-Stand zu hüten und die Gäste zu informieren, kam ich nicht umhin, ein paar Typen der Standbesucher herauszuarbeiten. Denn wann gibt es eine bessere Gelegenheit, im Stillen unsere Leser zu analysieren als auf der Frankfurter Buchmesse?
Der typische konkursbuch-Stand-Besucher verhält sich wie folgt: Er schlendert den Gang entlang, blickt mal nach links, blickt mal nach rechts. Auch unseren Stand hat er schon fast passiert, als er plötzlich wahrnimmt, was er da sieht. Abrupt bleibt er stehen, starrt für ein paar Sekunden lang wortlos unsere Wände voller Bücher an, geht wieder ein paar Schritte zurück und tritt dann vorsichtig an den Stand heran.
An diesem Punkt gibt es mehrere mögliche Verhaltensweisen. Manch einer fängt an, hektisch nach seiner oder ihrer Brille zu kramen, um sich die Bücher schnell noch genauer anschauen zu können. Ein anderer bittet seine Frau, doch schon mal weiterzugehen, während er sich in Ruhe umguckt. Wieder andere blättern zwanzig Minuten lang sorgfältig die Fotobücher durch und starren jedes einzelne Bild so konzentriert an, als versuchten sie, sich dieses mental einzuprägen. Bei diesem Verhalten frage ich mich, was wohl die beste Reaktion darauf ist. Soll ich dem Interessenten mehr zu dem Fotografen erzählen oder ihn auf weitere Bücher aufmerksam machen? Oder soll ich ihn lieber in Frieden gucken lassen? Meistens entscheide ich mich für den Mittelweg, ein freundliches Lächeln, das sagt: Ich bin hier, falls es Fragen gibt, aber werde nicht den Anschau-Fluss stören.
Wer unseren Stand kurz mit dem Blick streift, sieht zuerst unser erotisches Segment, weil die Cover auffallend sind. Aber um das ein für alle Mal klarzustellen: Der konkursbuch Verlag hat nicht nur Erotikliteratur und Fotografie zu bieten, sondern auch Romane, Thriller und Reiseliteratur! So kommen natürlich auch Leute an unseren Stand, die in den neuen Lesebüchern stöbern oder gezielt nach einer Autorin fragen.
Erfreulich ist trotzdem, dass mit dem Erotikthema mittlerweile viel offener umgegangen wird. Wenn vielleicht früher noch der mittelalte Mann mit Halbglatze der Durchschnitts-Interessent unseres Standes war, so zieht unser Angebot heute auch jede Menge Frauen an, sowie Paare und Leser in den Zwanzigern und Dreißigern. Diese bewundern ganz selbstverständlich und ohne jede Verlegenheit unsere Fotografie und Literatur, und nicht selten entwickeln sich dabei Diskussionen über die Gesellschaft. Somit ist unser Stand nicht nur eine Präsentation unseres Verlagsprogramms, sondern auch ein Treffpunkt für Andersdenkende, Unkonventionelle, Fotografie-Liebhaber, Sammler und Fans angeregter Unterhaltungen.
Sunita Sukhana

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