Das Telefon klingelt

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Das Telefon klingelt. Ich hebe den Hörer ab und sage, wie immer, meinen Nachnamen mit Fragezeichen.
„Hallo, Sigrun, lange nichts von dir gehört“, teilt mir ein Bariton mit.
„Wer sind Sie?“, erkundige ich mich, halb ärgerlich, halb angenehm von der Stimme berührt.
„Tja, wer bin ich“, entgegnet der Bariton mit einem Glucksen, „kannst aber ruhig du zu mir sagen.“
„Ich sag doch nicht du zur erstbesten hergelaufenen Stimme.“
„Erstbeste Stimme gefällt mir, hergelaufene find ich nicht so gelungen“, kontert der Mensch.
„Das fehlt noch, dass bereits spontane Aussagen am Telefon lektoriert werden“, sage ich mit Lehrerinnentonfall und fasse mir an den Kopf. Woher, verdammt kenne ich diese Stimme?
„Wie dem auch sei“, höre ich, „wie geht es dir, liebe Sigrun?“
„Tut mir leid, das sage ich Ihnen nicht, wenn Sie mir nicht sagen, wer Sie sind.“
Gelächter, zugegeben, sympathisches, am anderen Ende. Es kommt mir bekannt vor, aber ich komme nicht drauf. An das kurze Gelächter schließt sich die Aussage zum Befinden des Baritons an. Ihm gehe es ausgezeichnet und er hoffe das Gleiche von mir. „Was macht die Schreiberei?“
Schreiberei, halt, das sagt nur einer. Ja, wir haben wirklich lange nichts voneinander gehört und gesehen.
„Jetzt weiß ich, wer du bist!“, rufe ich triumphierend.
„Na, wer bin ich denn???“
„Sag ich nicht.“
Sigrun Casper

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