Buchpremiere zum Mitmachen

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Dirty Writing in Stuttgart

Freitagabend wurde es (noch) heiß(er) in der Stuttgarter Erotik-Boutique Frau Blum. Inmitten von Vibratoren, Korsagen und sexy Masken versammelten sich rund 50 Frauen und Männer, um Ines Witkas Mitmach- und Inspirationsbuch „Dirty Writing“ kennenzulernen. Die Buchpremiere war für die BesucherInnen nicht nur eine Chance, Witkas schamlosen Texten über klischeehafte Verführungstechniken, ein ungewöhnliches erstes Mal und eine freizügige Fotosession zu lauschen, sondern auch all das zu erfragen, was sie schon immer einmal über Erotikliteratur, das Schreiben und das Verlagsleben wissen wollten.
Die erste Frage klärte sofort das Grundlegende: Was ist der Unterschied zwischen Pornografie und erotischer Literatur? Ines Witka beschrieb es so: Pornografie will erregen, während sich Erotikliteratur für die Menschen und die Hintergründe des sexuellen Ereignisses interessiert. Sie kann gerne auch erregen, aber eben nicht nur. Verlegerin Claudia Gehrke fügte hinzu: Ein erotisches Literaturprogramm ist wie eine Collage. Auch wenn einzelne Bilder als pornografisch klassifiziert werden, kann ein anspruchsvolles und abwechslungsreiches Gesamtbild immer noch zur erotischen Literatur zählen.
Gehrke und Witka interviewten sich gegenseitig und schufen so eine Atmosphäre zwischen unterhaltender Talkshow und freundschaftlichem Wohnzimmergespräch. Wann und wieso hast du deinen ersten erotischen Text geschrieben?, fragte Gehrke die Autorin. Aus demselben Grund wie viele andere, gab Witka preis. Weil sie ihrem Partner einmal schriftlich darlegen wollte, über welche sexuellen Szenarien sie gerne fantasiert – mit Anregung zur Umsetzung, versteht sich.
Auch allgemeine Fragen zum Entstehen eines Buches wurden besprochen. Zum Beispiel: Wie entstand das Cover von „Dirty Writing“, das den Blick durch ein Schlüsselloch auf Lucas Cranachs Venus zeigt? Witka erklärte, dass sie ein Real-Bild auf dem Cover ablehnte, weil dieses die Fantasie begrenzt. Eine Anleitung zum erotischen Schreiben und zur Erkundung der eigenen Lust solle schließlich die Fantasie öffnen und nicht schließen. Der Hinweis auf klassische Kunst hinter dem „voyeuristischen“ Schlüsselloch weist außerdem darauf hin, dass in dem Buch auch Informationen zur Geschichte erotischer Literatur und Kunst enthalten sind.
Aufgrund dieser und vieler anderer Fragen waren in dem Erotikladen Freitagabend stets angeregte Diskussionen und begeisterte Unterhaltungen zu hören. Außer in den sechs Minuten vor der Pause, in denen vollkommene Stille herrschte. Kaum hatte Gehrke das Schreibspiel des Abends angekündigt und erklärt, startete der Timer, und das Publikum begann fieberhaft, kurze, spontane Geschichten über einen Quickie zu notieren. Aus den eingesammelten Texten wählten Autorin und Verlagsmitarbeiterin drei Siegertexte aus, deren glückliche Verfasser je eine kostenlose Ausgabe von „Dirty Writing“ erhielten. Die Publikums-Texte bewiesen: Erotisches Schreiben – selbst oder gerade unter Zeitdruck – inspiriert und beflügelt. Und alles, was man dazu braucht, sind ein paar Kniffe aus der Welt des kreativen Schreibens und eine Portion lustvolle Fantasie.
Sunita Sukhana

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