Buchmesse mit Handicap

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Frankfurter Buchmesse, eines der Großereignisse der Buchbranche. In der Zeit davor wie immer Stress, Hektik, Vorfreude und helle Aufregung: Haben wir alles vorbereitet, werden alle Veranstaltungen laufen, werden die Bücher rechtzeitig aus der Druckerei kommen?
Am Wochenende vor der Messe eine kurze Auszeit, mit Freunden aufs Konzert, und dann passiert es, beim Tanzen springt mir die Kniescheibe raus. Das Ergebnis: Dies wird die erste Buchmesse, auf der ich mit einer Schiene, die verhindert, dass ich mein Knie beuge, wie Long John Silver durch die Gänge humple. Was soll das werden? Beim Standaufbau falle ich schon mal aus. Und bereits auf der Reise stelle ich fest, dass Treppensteigen ein Problem werden wird. Ich bin froh, dass es in Frankfurt jede Menge Rolltreppen und Laufbänder gibt.
Auf der Messe angekommen, freue ich mich, dass es am Mittwoch noch recht ruhig ist. Inzwischen habe ich auch gelernt, schneller zu humpeln. Doch mit zunehmender Besucherzahl wird es schwieriger, sich durch die Mengen zu schlagen. Verabredungen bestelle ich zu unserem Stand, wir suchen uns ruhige Ecken, in denen man sitzen kann, auf Stühlen, dass mein geschientes Bein nicht immer im Weg liegt. Schnell habe ich das Azubi-Eck hinter dem Paschen Literatursalon gefunden, nicht weit von unserem Stand entfernt. Ich bin gern an unserem Stand, doch je mehr Menschen kommen und sich durch das Programm blättern, umso mehr sitze ich im Weg. Plötzlich bin ich nicht mehr die hilfreiche Pressefrau, sondern die Stolperfalle.
Besuche bei befreundeten Kolleginnen werden zum Hindernislauf. Zwischen den Hallen 4 und 3 gibt es keine Laufbänder, die Rolltreppen nach unten werden wegen zu viel Andrang oft gesperrt. Ich meide die Halle 3. Dafür lerne ich endlich das Kunstprogramm in Halle 4 besser kennen. Denn dort sind die Gänge manchmal leerer. Ich wähle die Gänge am Rand, entdecke wunderschön gestaltete Kunstbücher.
Wenn ich abends das Gelände verlassen will, um zu den Veranstaltungen zu gelangen, bin ich froh über die Rollbänder, die mir den Weg zum Hauptausgang erleichtern. Auch die Shuttlebusse, die ich in den letzten Jahren vielleicht drei Mal genutzt habe, sind meine Freunde geworden. Bislang habe ich diese ganzen Gehhilfen kaum beachtet, jetzt bin ich dankbar, dass es sie gibt. Auf einmal sehe ich die Frankfurter Messe mit anderen Augen. Ich lerne sie von einer neuen Seite kennen, versuche mich zu entschleunigen, gehe offener an den Ständen vorbei, habe Zeit zu schauen, denn ich bewege mich langsamer als sonst durch die Gänge. So hake ich nicht nur Termine und Besuche ab, die ich vorher geplant habe. Ich setze mich in Lesungen, hier bin ich kein Hindernis, sondern Zuhörerin. Es macht mir Spaß, wieder mehr Besucherin zu sein. Die Halle 4.1 wird zu meiner persönlichen Schatzinsel der Frankfurter Buchmesse 2014. Ich finde Zeit für Gespräche mit den KollegInnen, AutorInnen und Freunden rund um uns herum und entdeckte vieles, was ich in den letzten Jahren in meiner achtlosen Hektik übersehen habe.
Babett Taenzer

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