Auf der Alm da gibt’s a Sünd

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Wie bitte? Was sagt die Dame da? Besonders beachtenswert sei auch die pornografische Arbeit des Künstlers? Sie lächelt dabei das Lächeln einer Kuratorin einer angesehenen Ausstellung in einem angesehenen kleinen Museum und zwar dem in Kitzbühel, Tirol. In meinem Hotel bei meinem Kurztrip nach Tirol hing ein Poster, Hinweis auf eine erotische Ausstellung im Kitzbüheler Museum. Eine nackte Dame stand da, von halb hinten aufgenommen, im Hintergrund die Skiwelt Tirol, in den Händen hielt sie aufgestellte Skier, Modell uralt.
Das machte mich natürlich neugierig, und so ging ich in die Ausstellung „Schaulust. Die erotische Fotografie von Alfons Walde“. Walde lebte von 1891 bis 1958. Schon ein Jahr nach seiner Geburt zog die Familie nach Kitzbühel, wo Waldes Vater Schulleiter wurde. Walde wurde Architekt und Maler, schuf Ölgemälde mit Titeln wie „Jahrmarkt in Kitzbühel“ und „Kirchgang“, viele seiner Bilder zeigen Winterlandschaften und Tiroler Idylle.
Doch Alfons Walde hatte eben noch eine ganz andere Seite, und die lächelt einem in dieser Ausstellung wunderbar charmant und reizend entgegen. Da sind Hilda und Lilly und Martha, allesamt nackt. Die meisten von ihnen von hinten fotografiert, er liebte offenbar Hintern und die Hingabe, mit der die Damen sie präsentieren, ist überaus erotisch. Abgelichtet wurden sie 1922, 1932, 1940. Beispielsweise auf Waldes Berghütte, die er sich selbst errichtet hatte. Hilda, Lilly und Martha sind nackt, tragen aber diese hübschen Schuhe, die damals wohl High Heels waren, und immer adrette 20er-Jahre-Frisuren mit Wellen. Sie stehen auf ihren Schühchen im Schnee und lächeln, Natur-Erotik pur. Das Größte aber ist eben das, was die Kuratorin da in dem kleinen Ausstellungsfilmchen sagt. Und was man dann im Katalog als herrlich anregendes Foto bestaunen darf: Alfons Walde fotografierte seine Frau, wie sie Sex mit seinem Freund hatte. Wie der Freund seinen sehenswerten … in ihre … Und all das im Katalog einer Ausstellung, die hochoffiziell vom Kitzbüheler Bürgermeister eröffnet wurde. Respekt! Auf der Alm, da gab’s eben doch schon immer Sünd’, wunderbar, lieber Alfons, dass es dich gab! (Die Ausstellung ist noch bis zum 23. Mai im Museum Kitzbühel zu sehen, der Katalog enthält alle Fotos und mehr.)
Claudia Wessel

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