1. März 2017
von Regina Nössler
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Fragen an Autorinnen: Sigrun Casper

Bist du hauptberuflich Schriftstellerin oder hast du noch eine andere Arbeit?
SC: Schriftstellerin hauptberuflich kann ich nicht sein, dann würde ich ja schreiben müssen, und zwar für Geld. Dann müsste ich mich der Zeitgeistmode anpassen. Ich bemale Stühle. Ich fotografiere.
Wie kamst du zum Schreiben?
SC: Durch meine Schwerhörigkeit als Kind. Ich verstand ja nichts. Da musste ich mich mit mir selbst unterhalten. Außerdem musste ich verstärkt meine Augen benutzen, also beobachten.
Was war das letzte Buch, das du veröffentlicht hast? Worum geht es? Wie kamst du auf die Storyidee?
SC: „Der Wortjongleur“. Der Tod meines Dichterfreundes Mario war der Auslöser.
Wie gehst du beim Schreiben vor? Hast du bestimmte Methoden, Rituale etc.?
SC: Nee. Ich setz mich hin.
Basieren deine Figuren auf Menschen, die du kennst, oder sind sie frei erfunden?
SC: Beides.
Wer ist deine liebste Figur, die du je erschaffen hast?
SC: Immer die letzte. Also Kilian Schelk, der werdende Dichter.
Schreibst du nur in einem bestimmten Genre? Welches? Was interessiert dich daran?
SC: Ich schreibe auch Gedichte. Das hört sich an wie ein Hobby. Ist es aber nicht. Zu beidem, dem Prosaischen und der kurzen Form, treibt es mich manchmal hin.
Wie kamst du zum konkursbuch Verlag?
SC: Durch Vermittlung meines verstorbenen Freundes.
Was für Bücher liest du selbst gerne? Nenne ein paar deiner Lieblingsautoren.
SC: Keine dicken. Auswalzen nervt mich. Lieblingsautoren? Stanley Ellin, Bernard Malamud, Heinrich Mann, Zeruya Shalev, Regina Nössler. Und andere.
Welches Buch liest du gerade?
SC: Keins. War verreist.

18. Januar 2017
von Claudia Gehrke
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Endlich angekommen oder Vorschaubauen

Zweimal im Jahr muss eine „Vorschau“ produziert werden. In diesem im A4-Format gedruckten Katalog werden die Bücher des je nächsten Programms vorgestellt, die Vorschau wird an Buchhändler und Rezensenten verschickt und entsteht immer in der Zeit, in der die aktuellen Bücher – die aus der vorigen Vorschau – noch frisch sind, manche gerade aus der Druckerei gekommen. Dafür, dass die aktuellen Bücher Leserinnen und Leser finden, möchte ich etwas tun! Mein Kopf und Herz sind vollständig bei den ihnen und bei noch „älteren“ Titeln – und sollten zugleich bei den Büchern aus der Zukunft sein. Ich müsste deren Cover gestalten, Kurztexte formulieren, doch ich frage mich: Wie können Leserinnen und Leser die Bücher entdecken, wenn sie quasi schon im Moment des Erscheinens dem vergangenen Programm angehören, alt sind? In vielen Buchhandlungen gelten bis auf Ausnahmen (Bestseller und so weiter) Bücher wirklich nach wenigen Monaten als alt, werden remittiert – es gibt natürlich auch unter den Buchhandlungen Ausnahmen, die auch eine Auswahl älterer Titel eines Verlags vorrätig haben, danke an diese!
Es gibt einen Termin, an dem Vorschauen fertig sein müssen: der Tag des gemeinsamen Versands (ob BuchhändlerInnen, die immer zur gleichen Zeit enorme Mengen an Vorschauen erhalten, das Gesamtpäckchen einer Auslieferung mit kleinen und kleinsten Verlagen überhaupt ansehen?). Jedes Mal aufs Neue quäle ich mich und alle anderen mit Entscheidungsfragen: Soll ich dieses Buch überhaupt machen? Dieses oder jenes Cover? Sollte ich nicht einfach das nächste Programm ausfallen lassen, damit wir uns um die vielen guten bereits vorhandenen Bücher kümmern? Ich verweigere mich lange – bis mich irgendwann kurz vor Abgabetermin doch die Lust an den Büchern aus der Zukunft überkommt. Und ich werde gerade noch rechtzeitig fertig.
In diesem Jahr war es besonders knapp. Es gab während der Zeit der Vorschauproduktion eine kleine Veranstaltung mit Autorin María Gutiérrez aus Teneriffa und Buchpakete, die im Madrider Zoll hängengeblieben waren, und Condorflüge verführerisch günstig. Ich buchte und packte als Gepäck das Buchpaket ein. Ein Tag Teneriffa, Weiterflug Freitagabend nach La Palma, ausnahmsweise nicht mit der Fähre. Am Wochenende in Ruhe Vorschau fertigmachen, so der Plan. Und dann ein paar Tage so was wie Urlaub. Ich freute mich aufs Vorschaufertigbauen mit Blick aufs Meer, Ideen für Kurztexte und Gestaltung formten sich auf der Reise. Freitagabend. Flughafen Teneriffa, Auto abgegeben. Zwei Stunden ein „Delayed/Retrasado“-Schild angestarrt, bis gecancelt wurde. Und für den nächsten Flug ein neues Verspätungsschild aufleuchtete. Ein freundlicher deutsch sprechender Bintermitarbeiter sagte, Binter würde die Übernachtung bezahlen. Eine zunehmend weniger freundliche andere Bintermitarbeiterin wies ihn zurecht – und zugleich mich, das stimme nicht bei höherer Gewalt! Schließlich Warteliste für einen Flug am Samstag. Der nächstgelegene Ort La Laguna. Auf die Frage, ob sie ein günstiges Hostal wüsste, schüttelte die Bintermitarbeiterin ungehalten den Kopf. Ich wurde jetzt auch unfreundlich, ging ihr wie andere Fragende nur noch auf die Nerven. Ihr Kollege gab mir den Tipp, Taxifahrer zu fragen. Ich holte den abgegebenen Mietwagen wieder und fuhr durch die fröhlichen Gassen La Lagunas. Außer belebten Bars und Cafés und glitzernden Weihnachtssternen sah ich nichts, kein Hostal, keine Taxifahrer. Endlich ein Taxistand. Der befragte Fahrer schickte mich einen komplizierten Weg kilometerweit spiralig in eine Randgegend, ich landete jedoch irgendwann wieder am Taxistand und fühlte mich langsam wie in einem Albtraum – der zweite befragte Fahrer schickte mich hundert Meter weit um die Ecke. Endlich eine Pension. Es war nach Mitternacht. Nichts mit Vorschau. Am Samstag dasselbe. „Retrasado“, gecancelt und so weiter. Auf La Palma wehte noch immer der falsche Wind. Nach einer Weile fand ich die Pension wieder und verbrachte eine zweite Nacht ohne Vorschaubauen – stattdessen bunte Gassen und Tapasbars und wenig Schlaf.
Endlich angekommen, ein Tag, um die verlorenen Tage aufzuholen, Abgabe in der Onlinedruckerei Montag, 18 Uhr, kein Verspätungsspielraum. Mein Internet funktionierte von einer Sekunde auf die andere nicht mehr, kurz nachdem ich atemlos und einige Schreibfehler übersehend knapp vor 18 Uhr fertig geworden war. Ich raste zu Bekannten – deren Internet funktionierte, Druck-PDF gerade noch rechtzeitig auf dem Server.
Ein Tag nach dem garantierten Liefertermin kam eine Mail der Druckerei, die Produktion verzögere sich um eine Woche. Ich tobte, erreichte Expresszustellung an zwei Adressen – Ankunft an den Versandtagen in Berlin zum gemeinsamen Presseversand mehrerer Verlage und in Maintal zum Buchhandelsversandtag. Auslieferung SoVA verschickte versehentlich die bereits in Berlin angekommene Menge noch einmal. Volker Surmann vom Satyr Verlag verweigerte die Annahme, damit die Menge an SoVA zurückgeschickt wurde. Das sei nicht einfach gewesen, denn „am nächsten Tag stand der Paketbote mit den Paketen wieder vor der Tür, und ich hab wie wild auf das Absenderfeld gedeutet und ‚retour‘ gebrüllt. Aber was soll man tun, wenn man selbst nur deutsch und englisch spricht und der Paketbote ausschließlich russisch?“ Vorgestern sind die Pakete nach knapp drei Wochen Weg von Berlin auch hier endlich angekommen, und ich habe die Anfang Dezember in Druck gegebene Vorschau erstmals in der Hand.
Und gestern habe ich ein Buch ins Programm genommen, auf das ich mich ganz besonders freue. Für die Vorschau Frühjahr 2018! Und genauso freue ich mich auf wenigstens ein Buch aus dem Herbstprogramm (und fürchte mich im Moment eigenartigerweise noch nicht vor dem nächsten Vorschaubauen). Doch bis dahin: die schönen Frühjahrsbücher, die schönen älteren Bücher betreuen. Heute ging eins meiner „Lieblingsbücher“ des Frühjahrs in Druck.
Claudia Gehrke

 

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